Wie solche Geschichten über Scheintode ausgesehen haben
mögen, mag vielleicht eine Erzählung von Edgar Allan Poe
zeigen. Es ist die Geschichte 'Das vorzeitige Begräbnis' und
erzählt in mehreren kürzeren Episoden von Menschen, die
lebendig - weil für tot gehalten - begraben wurden.
Die Angst davor, fälschlicher Weise, noch lebend begraben zu
werden fand ihren Höhepunkt zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Die Angst war so weit auf die Spitze getrieben worden, dass
kaum jemand, der es sich leisten konnte, ohne
Sicherheitsvorkehrungen seine Beerdigung plante. So wurden
hölzerne Konstrukte gefertigt, deren untere Enden direkt in
Verbindung mit Sarg oder Leiche standen. An den Holzgestellen
befanden sich oberirdisch Glocken, die - im Falle von
Bewegungen im Grab - Alarm schlagen sollten. Als
Vorsichtsmaßnahme gedacht verursachte dieses Patent aber
bald schon Hysterie. Denn: wo Verwesungsprozesse einsetzten,
gerät auch der Leichnam geringfügig in Bewegung. So
klingelten solche Glocken wohl sehr oft auf den Friedhöfen und
in den Grüften. In wie vielen Fälle berechtigt? Nun
wahrscheinlich nicht in allzu vielen. Und abgesehen davon:
selbst wenn die Glocke läutete, wer würde es denn wagen, eine
bestattete Leiche wirklich wieder auszugraben?
Als zweite Hauptursache - neben der Angst vor dem Scheintod -
war die Angst vor dem "Scheinleben".
Beruhend auf der Erfahrung, dass so manche Leiche, die nach
Tagen, Wochen, Monaten oder gar Jahren ihres Grabes
entrissen wurde, noch immer aussah, als hätte man sie gerade
erst hineingelegt.
Heute wissen wird, dass dies auf eine Vielzahl von
Begebenheiten und Umständen zurückzuführen ist.
Dichter Boden, der nur wenig Sauerstoff durchlässt und enthält,
verlangsamt den Verwesungsprozess.
Ebenso Metallsärge.
Aber wen wundert es, dass den Menschen in damaligen Zeiten
das Ganze arg ungeheuerlich vorkam?
Der dritte große Grund ist schlicht und ergreifend eine Krankheit.
Die so genannte 'Vampirkrankheit' - erstmals 17 84 beschrieben von
dem ungarischen Arzt Georg Tallar - zeichnet sich durch
Symptome wie Fieber, Verdauungsprobleme, Blässe und
Übelkeit aus. Nicht selten kam dazu, dass die Betroffenen sehr
lichteempfindlich wurden, da die Pupillentätigkeit eingeschränkt
war und aufgrund ihrer fehlerhaften Verdauung auf scharfe
Gewürze - und allein Gerüche dieser Gewürze - mit Übelkeit
regierten. Zum Beispiel auf Knoblauch.
Tallar führte diese Symptome auf die strengen
Fastenvorschriften der orthodoxen Kirche zurück, die zu einer
akuten Mangelernährung führten.
Dazu kommen noch eine ganze Reihe weiterer Merkwürdigkeiten,
die heute aber sehr gut medizinisch zu erklären sind.
Menschen, die aufgrund ihrer Armut abgemagert waren, mit
eingefallenen und hohlen Wangen, wurden nach ihrem Tod
beerdigt - und wenn man sie ausgrub, erschienen sie rosig und wohlgenährt.
Dies ist auf die Entstehung von Faulgasen zurückzuführen, die
den Körper aufblähen.
Die selben Gase sind auch dafür verantwortlich, dass so manch
exhumierte Leiche getrocknetes Blut im Gesicht hatte. Faulgase
blähen den Körper so sehr auf, dass Blut aus der Nase, dem
Mund oder den Ohren tritt.
Und dass Haare und Fingernägel auch nach dem Tod noch
geringfügig weiter wachsen, ist heute auch bekannt, dürfte zu
früheren Zeiten jedoch auch für Spekulationen gesorgt haben.
Vergleichbare Wesen
Im Tierreich gibt es mehrere Beispiele von vampirähnlichen Wesen: So
ernähren sich auch Zecken, Mücken und bestimmte Fledermaus- und
Wanzenarten von Blut. Der Vampirglaube hat sich vor allem auf die
blutsaugende Fledermaus konzentriert, obwohl diese eigentlich sehr selten
ist. Die allermeisten Fledermäuse ernähren sich nämlich nicht von Blut.
Vermutlich war die Angst des Tagtieres Mensch vor der Dunkelheit mit
ausschlaggebend sowohl für die Angst vor Vampiren als auch für die
unbegründete Furcht vor Fledermäusen, die ja bekanntlich beide nachtaktiv
sind. Aus manchen Legenden geht hervor, dass Vampire sich ausserdem in
Wölfe verwandeln können, ein weiteres Tier, welches lange Zeit vom
Menschen gefürchtet wurde.
Auch in der Welt der Legenden und Dämonen gibt es natürlich
vergleichbare Wesen, so vor allem den Werwolf. Es gibt mehrere
Parallelen zwischen Werwolf und Vampir: Beide sind nachtaktiv,
blutrünstig und es werden ihnen übermenschliche Kräfte nachgesagt.
Ausserdem kann auch die Lykantropie durch einen Biss übertragen werden.
Der Unterschied besteht vor allem darin, dass der Werwolf nicht tot (also
kein Wiedergänger) ist, sondern am Tag ein ganz normaler Mensch. Aber
auch hier sind sich die Legenden nicht völlig einig, die Grenzen zwischen
Vampir und Werwolf sind oft fliessend. So herrschte früher der Glaube,
dass ein Werwolf nach seinem Tode zum Vampir werden könne, sofern
keine Vorsichtsmassnahmen getroffen würden. Sieht man sich all diese
Parallelen an, kann davon ausgegangen werden, dass der Werwolf eine
Art primitiver Vorfahr des Vampirs ist.
Gräfin Elisabeth Báthory auch bekannt als Lady Bathory
* 1560
† 1614
Warum steht eine historische Persönlichkeit, noch dazu eine
Gräfin aus Ungarn unter der Rubrik Vampire?
Nun, die Antwort ist simpel:
Der guten Dame wurde eine Vorliebe für jungfräuliches Blut
nachgesagt...
Zwar soll sie es nicht getrunken haben - sie badete darin, um
ihre Jugend zu erhalten.
Ein ungemütlicher Charakter wurde ihr schon zu Lebzeiten
nachgesagt. Verheiratet war sie - seit ihrem 15. Lebensjahr - mit
dem Grafen Ferencz Nádasdy, welcher bekannt war für seine
Grausamkeit während diverser Kreuzzüge gegen die Türken und
"Der schwarze Ritter" genannt wurde. Er war es auch, der die
sadistischen Neigungen seiner Frau nur zu gerne förderte. Doch
erst nach seinem Tod um das Jahr 1604 begann sie selbst,
diese auch auszuleben. Dazu sagen zeitgenössische Berichte
und Legenden folgendes:
Eines Tages soll eine Zofe, die der jähzornigen die Frisur
richtete, etwas zu heftig an den Haaren ihrer Herrin gezogen
haben, woraufhin diese in einem Wutausbruch dem jungen
Mädchen so heftig ins Gesicht schlug, dass die Zofe im Gesicht
blutete.